Bienvenido – Willkommen in Peru!

Austauschschülerinnen und Schüler des OHGs und THGs mit Frau Wendt auf Gegenbesuch in Südamerika

Ein Reisebericht von Mirco Schweer, Q1

Willkommensempfang am Flughafen von Lima

Freitag, der 28.6.. Um halb fünf schellte der Wecker. Nach einer circa zweistündigen Fahrt kamen wir in Schiphol, Amsterdam, an, wo wir uns als Gruppe trafen. Nach längerem Warten auf zwei Nachzügler ging es dann los mit Kofferabgabe, Abschiednehmen und intensiver Sicherheitskontrolle. Endlich im Flieger machten wir es uns gemütlich für den 12 1/2-stündigen Flug. Trotz der langen Strecke war von Ruhe nicht zu sprechen, da wir zum einen vom Boardpersonal mit Essen überhäuft wurden und zum anderen die persönlichen kleinen Fernseher an jedem Platz gute Unterhaltung boten.

Fußballspielen mit der Unterstufe

Nach den besagten 12 1/2 Stunden betraten wir peruanischen Boden. Die Unterschiede fielen direkt auf, so waren die Mitarbeiter deutlich entspannter als in Deutschland. Diese Gelassenheit wurde auch bei der Kofferausgabe deutlich, wo wir gut 30 Minuten warten mussten. Doch dann wurden wir herzlich von unseren Gastfamilien begrüßt. Danach trennten sich unsere Wege, um uns mit den Gastfamilien auf den Weg nach Hause zu begeben. Dieses konnte 20 Minuten oder auch eine Stunde entfernt liegen. Aber nicht zu diese Stunde, der hora punta, zu der es auch gerne mal doppelt so lange dauert. Nach dem Verlassen des Flughafens fiel uns daher vor allem eines auf: das kontinuierliche Hupen und Reifenquietschen. Warum das im Stau nötig schien, wurde dann auch schnell klar. Zwar gab es Spuren und Ampeln sowie Polizisten, die den Verkehr „regelten“. Allerdings schienen zumindest die Spuren kaum einen der Autofahrer auf den überfüllten Straßen zu interessieren. Es war ein ständiges Kreuz- und Querfahren der unterschiedlichsten Fahrzeuge: motorenbetriebene Rikschas, Taxis, Pkws, Busse, Lkws und Motorräder. Blinker wurden bei all diesen Fahrzeugen überbewertet, an ihrer statt wurde bei jedem Spurwechsel oder Überholmanöver kräftig auf die Hupe gedrückt. Trotz dieser neuartigen Verkehrslage und 2-3 scheinbarer Nahtoderfahrungen kamen wir dank des peruanischen Talents für Ausweichmanöver und dem Schleichtempo alle früher oder später sicher bei unseren Gastfamilien an. Geschlafen wurde dann bei allen sofort, vollkommen fertig vom Flug.

Gemeinsames Burgbergen am Sonntag

Am nächsten Tag ging es dann direkt mit dem individuellen Programm der Gastfamilien los: Einkaufszentren sowie Märkte wurden besucht, Familienmitglieder und Freunde vorgestellt sowie Gastgeschenke überreicht. Was die einen als ,,neuartig“ und die anderen als ,,Kulturschock“ bezeichneten, war auf jeden Fall eines: völlig unterschiedlich zu uns Bekanntem. So hingen zum Beispiel auf dem besagten Markt die toten Tiere sorglos von der Decke, gab es Früchte, von denen wir nicht einmal gehört hatten, und zum Einkaufen konnten Einkaufswagen bei der Security ausgeliehen werden. Neben dem etwas anderen Verkehr sind ein weiteres auffälliges Merkmal der peruanischen Straßen die Hunde, die meist sogar ganz stattlich aussehen. Diese laufen ohne Besitzer auf der Suche nach Nahrung und Wasser die Straßen entlang, manchen soll wohl auch schon einmal ein Pullover gestrickt worden sein. Den kann man hier im milden Winter – willkommen auf der Südhalbkugel – bei minimal 16 Grad schon gebrauchen, aber die bei uns übliche dicke Winterjacke bestenfalls in der Nacht. Am Sonntag tauschten wir beim Treffen mit Frau Wendt in Chaclacayo dann unsere ersten Eindrücke aus. Und ja, das Toilettenpapier kommt in einen Eimer, nicht die Toilette, der wird aber täglich geleert. Man gewöhnt sich dran. Dafür gibt es überall frische Säfte aus Mango, Papaya, Erdbeere, Ananas usw., das Essen kostet einen Bruchteil der in Deutschland bekannten Preise und genauso das Guthaben für eine Prepaidkarte. Wenn man sein Handy nicht gerade im Taxi verliert und es „Auf nimmer Wiedersehen“ heißt… Smartphones sind leider auch hier nicht günstiger.

Montägliche Versammlung aller Jahrgänge unter dem Sportdach

Aber kommen wir nun zum wichtigsten Aspekt, der deutsch-peruanischen Schule, Colegio Beata Imelda in Chosica, 1 Stunde (außerhalb der hora punta) vom Zentrum Limas entfernt. Für einige ging es schon um 7 Uhr bzw. noch früher los, um pünktlich zur ersten asociación (Schulversammlung) auf dem überdachten Sportfeld (es regnet hier nie) zu erscheinen. Diese findet jeden Montag statt und wird zur Information über wichtige Termine der Woche, erreichte Ziele (über 600 Gebete für den Papst) und Ansprachen der Schülersprecherinnen und -sprecher genutzt. Und um uns willkommen zu heißen, jeden einzelnen. Auch wenn vielleicht nicht jeder Name so ganz richtig ausgesprochen wurde, fühlten wir uns wirklich geehrt. Danach gab es erst einmal einen Austausch mit den anderen deutschen Gastschülern und das Wichtigste: die Stundenpläne. Hier überraschte uns die Schule mit eigens für uns geplanten kulturellen Aktivitäten wie den Tandem- und Filmstunden, Kochunterricht und Ausflügen am Ende jeder Woche. Die Schule hielt aber auch im regulären Unterricht einige Unterschiede zu deutschen Schulen bereit. Das wurde schon in der ersten Stunde deutlich, in der einige Schülerinnen und Schüler ohne ersichtlichen Grund immer wieder den Klassenraum verließen, ohne die Lehrkraft um Erlaubnis zu bitten. Ungewohnt wurde es dann für einige von uns auch im sehr katholischen Religionsunterricht, der nach einigen Gebeten jedoch in ein Tanzen und Singen im Kreis überging, was uns ziemlich erstaunte, weil einfach jeder selbstverständlich mitmachte. In der Pause ließen sich einige von uns dann, verstärkt durch zwei Coesfelder, von 15-20 kleinen Messis und Ronaldinhos im Fußball abziehen mit einem gekonnten 0:4. Trotz dieser großen Niederlage war der erste Schultag ziemlich gut, auch weil wir von unseren peruanischen Mitschülern und Lehrern herzlich aufgenommen und integriert wurden. Wir freuen uns schon auf die nächsten Tage.

Mirko Schweer, Q1