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Konzepte
 
Freiarbeit

Seit über 15 Jahren gibt es die Freiarbeit am Otto-Hahn-Gymnasium. Sie wurde bisher in jeweils zwei Klassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 von ausgebildeten (Montessori-) Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. So ergibt sich eine sinnvolle Verzahnung von Unterricht und Freiarbeit.  Das Arbeitsmaterial ist zum größten Teil von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt worden und entspricht damit den Richtlinien und dem Lernstoff des Gymnasiums. Es wird ständig aktualisiert, um den Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden.


Zwei Schüler nehmen vor ihrem Klassenraum ein eigenes Hörspiel auf.

Freiarbeit (Klassen5/6) und Projektarbeit (Klassen 7 und 8) schaffen Möglichkeiten zu fächerübergreifendem Lernen, fördern die sozialen Kompetenzen der Schüler und der Schülerinnen durch den Umgang mit anderen bei der Partner–und Teamarbeit ebenso wie die Entwicklung von Selbstständigkeit, Planungskompetenz und Entscheidungsfähigkeit, konzentrierte Arbeit an selbst gewählten Themen, Verstehen von Zusammenhängen und einen verantwortlichen Umgang mit Freiheit.

Unterrichtsorganisation

In den Klassen 5 und 6:

Aus den o. g. Gründen haben wir den Unterrichtsanteil der Freiarbeit in Klasse 5 auf vier Wochenstunden festgesetzt. Dadurch können wir das Klassenlehrerprinzip der Grundschulen weiterführen, so dass der Übergang von der Grundschule sanft gestaltet wird und die Schülerinnen und Schüler behutsam an die Gegebenheiten des Gymnasiums gewöhnt werden. Trotz der Freiarbeit kommt es zu keiner wesentlichen Mehrbelastung für für die Schüler, da Freiarbeitsstunden im halbjährlichen Wechsel aus dem Fächerkontingent entnommen werden.

In den Klassen 7 und 8:

In den Klassen 7 und 8 haben wir den Stundenanteil auf drei Stunden festgesetzt, da die meisten Schülerinnen und Schüler die Arbeitsweise durch die Freiarbeit in den Klassen 5 und 6 bereits gewöhnt sind und dadurch die Einarbeitungsphase reduziert werden kann.

Seit dem Schuljahr 2004/05 wird in zwei Klassen der Jahrgangsstufen 7 und 8 Frei- und Projektarbeit nach Montessori angeboten. Dabei ist die Projektarbeit in den Inhalten und den Arbeitsformen dem Alter der Schüler entsprechend angepasst. So wird in dieser Doppelstufe größter Wert auf das Einüben von Präsentationstechniken gelegt.

Die Schülerinnen und Schüler, die in der Klasse 5 nicht die Möglichkeit hatten, in eine Freiarbeitsklasse aufgenommen zu werden, können sich in Stufe 7 erneut für die Projektarbeit entscheiden und werden dabei von den Lehrkräften behutsam angeleitet und von den schon erfahreneren Mitschülerinnen und -schülern begleitet.

Finden sich für eine weitere Freiarbeits- oder Projektarbeitsklasse weniger Schüler als notwendig sind, dann bilden wir sog. „Modulklassen“, in denen punktuell Freiarbeits- oder Projektarbeitsbausteine nach Montessori durchgeführt werden, um allen Schülern das intensive Methodenlernen zu ermöglichen. Nach dem Umbau unserer Schule verfügen die Freiarbeitsklassen über ein großzügiges Raumangebot, zumal zwischen den Freiarbeitsklassen der Erprobungsstufe ein zusätzlicher Arbeits- und Materialraum mit weiteren vier PCs liegt.

Sicherlich kennen viele unserer neuen Schülerinnen und Schüler die Freiarbeit von der Grundschule, aber dennoch werden Sie sich, liebe Eltern, fragen, wie in der Freiarbeit am Otto-Hahn-Gymnasium gearbeitet wird und warum wir der Freiarbeit einen solchen Stellenwert beimessen.  Wir werden versuchen, diese Fragen im Folgenden zu beantworten.

Freiarbeit – die alternative Lernmethode

In welcher Hinsicht bedeutet diese Methode „freies“ Arbeiten?

Die Schüler lassen sich von den vielfältigen Materialien ansprechen und wählen nach ihrem Interesse ein Thema aus. Sie nehmen sich so viel Zeit, wie sie benötigen, um die Inhalte zu erarbeiten. Sie arbeiten allein oder mit einem oder mehreren, selbst ausgewählten Lernpartnern.  Sie erarbeiten dann eine vorgegebene Mindestmenge und können, wenn sie Gefallen an diesem Thema gefunden haben, sich auch noch ausführlicher mit diesem Lerngegenstand auseinandersetzen. So findet der Schüler seine individuellen Anlagen und Fähigkeiten berücksichtigt und kann sich ihnen verstärkt widmen. In der Regel kommt es in der Freiarbeit so zu einer ständig eachsenden Eigenaktivität.  Keine der oben genannten Freiheiten ist absolut. Arbeitet z. B. ein Schüler sehr langsam, so kann ihn der beobachtende und begleitende Lehrer darin unterstützen, sein Zeitmanagement zu optimieren.

Denn der Freiarbeitslehrer hat vor dem Unterricht die Materialien so aufbereitet, dass er während der Freiarbeit keinen Unterricht mehr gestalten muss, sondern Zeit hat, die Schüler bei ihren Lernprozessen zu beraten und ihre Fortschritte zu beobachten. Unterricht ist auf diese Weise nicht mehr lehrerzentriert, sondern ein stärker von den Schülern gesteuerter Prozess. Sie orientieren sich nicht nur an den Inhalten, sondern müssen sich auch in höherem Maße mit ihren eigenen Grenzen und Widerständen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen. Und das lenkt ihren Blick darauf, wie sie die Anforderungen zufrieden stellend bewältigen können. Die Arbeitsmaterialien sind oft fächerübergreifend; so verbinden sich zum Beispiel Deutsch und Kunst zur einer kleinen Werkstatt zum Gedichtschreiben. Oder die Fächer Politik und Erdkunde verbinden sich zu einer fächerübergreifenden Einheit.

Gelernt wird nicht nur mit dem Kopf, sondern die Materialien sprechen auch das ästhetische Empfinden und die Emotionen an, so dass ein Schüler auch mit dem Herzen dabei ist. Immer wieder gibt es spielerische Elemente, die dazu führen, dass der Lernstoff auch auf leichte Art und Weise eingeübt wird. Ist die Neugier einmal geweckt, dann können die Schüler vielfältig handeln (planen, Informationen verschaffen, schreiben, sprechen, spielen, kleben, schneiden, malen, nachschlagen, einsetzen ...). Ziel ist es, den Schüler in seiner ganzen Person anzusprechen und ihn so möglichst umfassend in den Lernprozess einzubinden.

Pädagogischer Hintergrund

Die gesellschaftliche Wirklichkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Eltern haben meist weniger Zeit für ihre Kinder und Kinder unterliegen Einflüssen, auf die die Eltern kaum noch einwirken können. Es gibt heute keine Normalbiographien, Normalklassen und Normalschulen mehr. Die Schüler kommen mit ihren vielen Wirklichkeiten in die Schule. Die Zeit, die die Kinder in der Schule verbringen, muss dazu genutzt werden, die Fähigkeit zu vermitteln sich veränderten Bedingungen anzupassen, Neues leicht aufzunehmen und Neues natürlich hervorzubringen. Die Freude an Innovation muss geweckt werden.

Dass Unterricht nicht mehr nach „Schema F“ verlaufen darf, ist mittlerweile selbstverständlich. Denn wie sollen der eine Lehrer, das eine Thema, das eine Lernziel, die eine Methode, die eine Zeitvorgabe und das eine Ergebnis 25-30 verschiedene Schüler mit ihren unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Wirklichkeiten erreichen? Wie soll und kann das Interesse der Schüler für eine Sache nicht nur geweckt, sondern auch erhalten bleiben? Wir meinen: Durch Vielfalt und durch individuelles, soziales, fachliches und fachübergreifendes und offenes, entdeckendes und ganzheitliches Lernen. Und wir meinen, dass dieses am besten im Rahmen der Freiarbeit erreicht werden kann.

Wir am OHG glauben, mit unserer Arbeit – vor allem mit der Frei- und Projektarbeit – Wege gefunden zu haben, die bei der Wissensvermittlung durch selbstständiges Tun Grundlagen zu allen geforderten Schlüsselqualifikationen legen, die heute für eine sinnvolle Zukunft unserer Kinder für notwendig erachtet werden.

Elternverein

Die Eltern der Kinder in den Freiarbeitsklassen haben sich in einem Elternverein organisiert. Mit ihrem Jahresbeitrag von 30,- € für das erste, 20,- € für das zweite Kind und 15,- € für das Kind in einer Modulklasse unterstützen sie unsere Arbeit und ermöglichen die Anschaffung von Verbrauchsmaterialien, Büchern und neuen Freiarbeitsmaterialien. Die Arbeit aller Eltern dieses Vereins geschieht ehrenamtlich und ist deshalb kostenneutral.

Ansprechpartnerinnen und –partner für Sie:

Schulleiterin: Christine Rolfs

Koordinatorin der Erprobungsstufe: Sarah Kasperek

Koordinatorinnen der Freiarbeit: Ulrike Heckes, Christiane Hemmers, Sarah Kasperek

(Stand: Mai 2011)