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Geschichte des Otto-Hahn-Gymnasiums


Am 5. Dezember 1966, vor fast 40 Jahren also, zog der mathematisch-
naturwissenschaftliche Teil des Städtischen Gymnasiums für Jungen aus dem heute vom THG genutzten Gebäude an der Voerder Straße um in unser heutiges Domizil an der Hagenstraße. Diese Trennung in nunmehr zwei selbstständige Schulen war notwendig geworden, weil sich die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren so stark vermehrt hatten, dass die alte Schule mit ihrem damals noch sehr begrenzten Raumangebot wirklich aus allen Nähten platzte und auch Baracken auf dem Schulhof und Klassenräume in den Heizungskellern keine Abhilfe dieser misslichen Situation boten. Das mathematisch- naturwissenschaftliche Gymnasium steht in der Tradition der 1901 gegründeten „Höheren Knabenschule“, an der 1913 die erste Untersekunda-Schlussprüfung und 1928 die erste Reifeprüfung stattfanden. Das THG blieb zunächst ein „Neusprachliches Gymnasium mit Realschulabsolventenzweig i.E. (im Entstehen)“. Unsere Schule, die unter der Leitung von Dr. Hermann Buchmann mit 640 Schülern und 28 Kollegen, darunter vier Referendaren, im noch längst nicht fertig gestellten Schulgebäude begann, könnte also - streng genommen - mit gleicher Berechtigung wie das THG in diesem Jahre ihren einhundertsten Geburtstag feiern, wird sich aber mit einem „kleinen“ Jubiläum begnügen.

Bei der Namensgebung des neuen Gymnasiums hatte die Stadt Dinslaken eine glückliche Hand, als sie sich für den Nobelpreisträger Prof. Dr. Otto Hahn als Patron entschied.  Zu unserer großen Freude ließ es sich Professor Hahn, damals 88 Jahre alt, nicht nehmen, bei der feierlichen Einweihung der Schule am 22. Juni 1967  als Ehrengast zu erscheinen und eine bis heute unvergessene, humorvolle Ansprache zu halten, die das etwas steife Zeremoniell wohltuend auflockerte. Amüsiert zeigte sich der greise Gelehrte über die gleichfalls eingeweihte Brunnenplastik vor dem Gebäude, die nach wenigen Jahren sang- und klanglos verschwand, zum Bedauern der Schüler, die bis dahin mit Waschmitteln verschiedenster Art dieses „Meisterwerk der modernen Plastik“ kunstgerecht verfremdet hatten.



Otto Hahn (2.v.r.) mit dem Schulleiter Dr.Buchmann bei der Schuleinweihung des OHG im Physiksaal am 22.6.67

Vom 6. bis 8. Juli1967 fand die erste Reifeprüfung von 35 Abiturienten, die von der Voerder Straße mit zu uns gekommen waren, in zwei Oberprimen, (heute: Stufe 13) statt. Im Oktober desselben Jahres entging das OHG nur knapp und mit viel Glück einer Katastrophe, weil sich nach einer Pause, als die Schüler bereits vor der Tür des Raumes standen, die Decke im Musiksaal aus ihrer Halterung löste und in ihrer gesamten Ausdehnung auf Stühle und Bänke fiel. Andere Turbulenzen – ein Streik dreier Unterprimen (Stufe 12) im November1969, die von einigen Schülern vehement bekämpfte Versetzung einer Lehrkraft einschließlich einer Bombendrohung mit anschließender sofortiger Räumung des gesamten Gebäudes (Juni 1971) und eine nach einem derben Streich eines Schülers von der Polizei vorzeitig beendete Schülerparty ein Jahr zuvor – sorgten in den kommenden Jahren immer wieder für ungewollte Publizität.

1972 beschloss die Lehrerkonferenz die Einführung der Koedukation ab dem folgenden Schuljahr. Im August 1973 erschienen dann die ersten Schülerinnen im bislang ausschließlich von Jungen „beherrschten“ Gymnasium. Ein Jahr später gab es mit der Einführung der differenzierten gymnasialen Oberstufe eine weitere einschneidenden Neuerung hinsichtlich der Schulstruktur, weil nun ab Stufe 11 das Kurssystem an die Stelle des bisherigen Klassenverbandes trat und verschiedene Kurse schulübergreifend in überwiegend harmonischer und erfolgreicher Kooperation mit THG und EBG bzw. EBGS durchgeführt werden konnten.

Unser zehnjähriges Schuljubiläum feierten wir in der Woche vom 4. bis 11. Dezember 1976 mit einem von Herrn Klein geplanten Schulfest, einem Festakt in der Stadthalle und einem Festabend in der Aula. Hierbei trat auch die von Frau Nölle geleitete Gymnastik-Tanz-Gruppe erstmals mit großem Erfolg an die Öffentlichkeit. Zusammen mit der von den Kollegen Fischer und Klein gegründeten Theater-AG kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu bemerkens- werten und allseits gelobten Aufführungen (Theaterstücke, Shows, Kabarett, Musicals), an denen auch Frau Schimke-Kuklik maßgeblich beteiligt war.



Lehrerkollegium 1976

Am 30. Juni 1977 trat der erste Leiter des OHG, Herr OStD Dr. Hermann Buchmann in den Ruhestand. Eine seiner letzten Amtshandlungen war der Vorsitz bei der ersten Abiturprüfung neuen Stils an unserer Schule. Sein Nachfolger wurde am 8. März 1978 OStD Jürgen Lukat. In seine 23-jährige Amtszeit fallen wichtige Neuerungen in der Schulorganisation (Schulkonferenz, Schulprogramm, Mittelstufendifferenzierung), aber auch im Hinblick auf Erweiterung des Fächerkanons. So wird seit 1984 das Fach Informatik angeboten, nachdem der erste Computer schon drei Jahre zuvor ins Haus kam. 1985 beteiligte sich das OHG, mittlerweile über einen speziellen Computerraum verfügend, am Modellversuch „Informations- und kommunikationstechnologische Grundlagen in der Sekundarstufe I (GRIN). Neue Wege beschritt die Schule auch in der Außendarstellung. 1985 wurde erstmals ein „Tag der Offenen Tür“ veranstaltet, um Eltern und Schülern anderer Schulformen Gelegenheit zu geben, sich umfassend über das OHG zu informieren. 1986 folgten Projekttage unter dem Generalthema „Leben im Jahr 2000“, in deren Verlauf klassen- und jahrgangsübergreifende Schülergruppen insgesamt 43 Aspekte bearbeiteten und ihre Ergebnisse an einem „Nachmittag der Offenen Tür“ präsentierten. Weitere Projekttage und -wochen zu verschiedensten Themen (genannt seien hier „Gewaltprävention“ und „Suchtprophylaxe“ bzw. als mehrtägiges Projekt 1998 „Schule der Zukunft“)  gehören seither zu den beliebten Aktivitäten. Große Resonanz bei Schülern und Eltern finden auch die 1990 von den Kollegen Dr. Mackenthun (bis zu seinem viel zu frühen Tod im Jahre 2000) und Seidel begründeten Fördermaßnahmen zur Berufswahlvorbereitung.



Lehrerkollegium 1986

Partnerschaften mit ausländischen Schulen pflegt das OHG seit 1987, als im Oktober erstmals ein  Schüler- und Lehreraustausch mit Agen zustande kam. Daraus wurde eine ständige Einrichtung. Enge Kontakte bestehen seit Jahren auch zum Stedelijk Gymnasium in Arnhem und – seit kurzem - auch zu einer Schule in Belfast. Darüber hinaus gab und gibt es vielfältige Begegnungen mit SchülerInnen aus anderen Ländern, die entweder als Gast eine bestimmte Zeit an unserer Schule verbringen oder im Rahmen von Deutschland-Reisen nur kurzfristig in Dinslaken Station machen; zur letztgenannten Kategorie gehört die amerikanische Institution „People to People“. Andererseits haben viele OHG- SchülerInnen Auslandserfahrung sammeln können.

Dass bei aller  ernsthaften Arbeit die Feierlichkeiten nicht zu kurz gekommen sind, belegen die Aktivitäten anlässlich der Jubiläen zum zwanzig-, fünfundzwanzig- und dreißigjährigen Bestehen unserer Schule in den Jahren 1986, 1992 und 1997. Neben den offiziellen Festakten in der Aula standen dabei Schulfeste, Schulkonzerte und Ehemaligentreffen auf dem Programm. Gerade das zuletzt  erwähnte Ereignis erwies sich als wahrer „Renner“, ließen es sich doch jedes Mal Hunderte unserer früheren Schüler nicht nehmen,  ihrer alten „Penne“ einen Besuch abzustatten.



Lehrerkollegium im Juni 2000

Am 31. Januar 2001 wurde OStD. Jürgen Lukat als Schulleiter in einer sehr eindrucksvollen Feierstunde, an der sich auch unsere holländischen Freunde aus Arnhem beteiligten, verabschiedet. Am 07.05.2001 wurde die neue Schulleiterin Frau OStD'. Christine Rolfs durch unsere Dezernentin Frau Acht in ihr Amt eingeführt. Hoffentlich wird bald mit den schon lange versprochenen und dringend erforderlichen Ausbau- und Renovierungsarbeiten begonnen, damit das OHG, wie es SV-Sprecherin Carina Kordan bei der Pensionierung von Herrn Lukat formulierte, „ein Gymnasium mit eigenem Charakter und guter Gemeinschaft“ und „eine Art Zuhause für die Schüler“ bleibt.

WERNER RADERMACHER (Text)
PETER DOMSEL (Fotos und Gestaltung)

 

(Die weitere Geschichte in Stichworten finden Sie hier.)