Freiarbeit

Seit über 10 Jahren gibt es die Freiarbeit nach Montessori am Otto-Hahn-Gymnasium. Sie wurde bisher in jeweils zwei bis drei Klassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 von ausgebildeten (Montessori-) Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. So ergibt sich eine sinnvolle Verzahnung von Unterricht und Freiarbeit.
Das Arbeitsmaterial ist zum größten Teil von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt worden und entspricht damit den Richtlinien und dem Lernstoff des Gymnasiums.

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Konzentriertes Arbeiten an den selbst ausgewählten Aufgabenordnern

Freiarbeit (Klassen 5 und 6) und Projektarbeit (Klassen 7 und 8) schaffen Möglichkeiten zu fächerübergreifendem Lernen, fördern die sozialen Kompetenzen der Schüler und der Schülerinnen durch den Umgang mit anderen bei der Partner- und Teamarbeit ebenso wie die Entwicklung von Selbstständigkeit, Planungskompetenz und Entscheidungsfähigkeit, konzentrierte Arbeit an selbst gewählten Themen, Verstehen von Zusammenhängen und einen verantwortlichen Umgang mit Freiheit.

Unterrichtsorganisation

In den Klassen 5 und 6

Aus den o. g. Gründen haben wir den Unterrichtsanteil der Freiarbeit in den Klassen 5 auf vier und in den Klassen 6 auf zwei Wochenstunden festgesetzt. Dadurch können wir das Klassenlehrerprinzip der Grundschulen weiterführen, so dass der Übergang von der Grundschule sanft gestaltet wird und die Schülerinnen und Schüler behutsam an die Gegebenheiten des Gymnasiums gewöhnt werden.

In den Klassen 7 und 8

In den Klassen 7 und 8 haben wir den Stundenanteil auf zwei Stunden festgesetzt, da die meisten Schülerinnen und Schüler die Arbeitsweise durch die Freiarbeit in den Klassen 5 und 6 bereits gewöhnt sind und dadurch die Einarbeitungsphase reduziert werden kann.
Seit dem Schuljahr 2004/05 wird in zwei Klassen der Jahrgangsstufen 7 und 8 Frei- und Projektarbeit nach Montessori angeboten. Dabei ist die Projektarbeit in den Inhalten und den Arbeitsformen dem Alter der Schüler entsprechend angepasst.
Die Schülerinnen und Schüler, die in der Klasse 5 nicht die Möglichkeit hatten, in eine Freiarbeitsklasse aufgenommen zu werden, können sich nun erneut für die Projektarbeit entscheiden und werden dabei von den Lehrkräften behutsam angeleitet und von den schon erfahreneren Mitschülerinnen und -schülern begleitet.
Finden sich für eine weitere Freiarbeits- oder Projektarbeitsklasse weniger Schüler als notwendig sind, dann bilden wir projektarbeitsorientierte Regelklassen“ (poR), in denen zeitweilig Freiarbeits- bzw. Projektarbeitsbausteine durchgeführt werden, um allen Schülern das intensive Methodenlernen nach Montessori zu ermöglichen.
Sicherlich kennen viele unserer neuen Schülerinnen und Schüler die Freiarbeit von der Grundschule, aber dennoch werden Sie sich, liebe Eltern, fragen, wie in der Freiarbeit am Otto-Hahn-Gymnasium gearbeitet wird und warum wir der Freiarbeit einen solchen Stellenwert beimessen. Wir werden versuchen, diese Fragen im Folgenden zu beantworten.

Freiarbeit – die alternative Lernmethode

In welcher Hinsicht bedeutet diese Methode „freies“ Arbeiten?
Die Schüler lassen sich von den vielfältigen Materialien ansprechen und wählen nach ihrem Interesse ein Thema aus. Sie nehmen sich so viel Zeit, wie sie benötigen, um die Inhalte zu erarbeiten. Sie arbeiten allein oder mit einem oder mehreren, selbst ausgewählten Lernpartnern. Sie erarbeiten dann eine vorgegebene Mindestmenge und können, wenn sie Gefallen an diesem Thema gefunden haben, sich auch noch ausführlicher mit diesem Lerngegenstand auseinandersetzen. So findet der Schüler seine individuellen Anlagen und Fähigkeiten berücksichtigt und kann sich ihnen verstärkt widmen. In der Regel kommt es in der Freiarbeit so zu einer verstärkten Eigenaktivität. Keine der oben genannten Freiheiten ist absolut. Arbeitet z. B. ein Schüler sehr langsam, so kann ihn der beobachtende und begleitende Lehrer darin unterstützen, sein Zeitmanagement zu optimieren.
Denn der Freiarbeitslehrer hat vor dem Unterricht die Materialien so aufbereitet, dass er während der Freiarbeit keinen Unterricht mehr gestalten muss, sondern Zeit hat, die Schüler bei ihren Lernprozessen zu beraten und ihre Fortschritte zu beobachten. Unterricht ist auf diese Weise nicht mehr lehrerzentriert, sondern ein stärker von den Schülern gesteuerter Prozess. Sie orientieren sich nicht nur an den Inhalten, sondern müssen sich auch in höherem Maße mit ihren eigenen Grenzen und Widerständen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen. Und das lenkt seinen Blick darauf, wie der Schüler die Anforderungen zufrieden stellend bewältigen kann. Die Arbeitsmaterialien sind oft fächerübergreifend; so verbinden sich zum Beispiel Deutsch und Kunst zur einer kleinen Werkstatt zum Gedichtschreiben. Oder die Fächer Politik und Erdkunde verbinden sich zu einer fächerübergreifenden Einheit.
Gelernt wird nicht nur mit dem Kopf, sondern die Materialien sprechen auch das ästhetische Empfinden und die Emotionen an, so dass ein Schüler auch mit dem Herzen dabei ist. Immer wieder gibt es spielerische Elemente, die dazu führen, dass der Lernstoff auch auf leichte Art und Weise eingeübt wird. Ist die Neugier einmal geweckt, dann können die Schüler vielfältig handeln (planen, Informationen verschaffen, schreiben, sprechen, spielen, kleben, schneiden, malen, nachschlagen, einsetzen …). Ziel ist es, den Schüler in seiner ganzen Person anzusprechen und ihn so möglichst umfassend in den Lernprozess einzubinden.

Bausteine des Lernens im Rahmen der Freiarbeit

Damit eine angenehme Lern- und Klassenatmosphäre entsteht, werden in die Freiarbeit einzelne Unterrichtseinheiten („Bausteine“) zum Thema „Lernen des Lernens“ (Lele) und „soziales Lernen“ (ALF) eingebaut. Dies geschieht vorrangig zu Beginn eines Schuljahres. Die ersten Bausteine führen den Schüler dahin, dass er seinen Arbeitsplatz so gestaltet, dass eine angenehme Lernatmosphäre zur Beschäftigung mit den Hausaufgaben entsteht. Und damit ist auch gleich ein anderer Baustein angesprochen: die Vorbereitung von Klassenarbeiten. Dabei wird nicht nur die fachliche Vorbereitung thematisiert, sondern auch Angst oder gar Panik, die häufig vor der Klassenarbeit entstehen. Unsere Erfahrungen zu diesen und anderen Unterrichtseinheiten besagen, dass durch den offenen Umgang mit diesen Themen gleichzeitig die Bereitschaft steigt, sich für seine Mitschüler zu öffnen. Die Klasse lernt sich immer besser kennen und wächst immer mehr zu einer Gemeinschaft zusammen. Dies wird unterstützt durch Unterrichtseinheiten zum sozialen Lernen.
Dabei geht es um allgemeine Kommunikationsfertigkeiten, Stärkung von Problemlösefähigkeiten und das Training der Selbstsicherheit. Dies alles sind Beiträge zur Ich-Stärkung, die zu einer realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten führen. Den Schülern wird auf diese Weise ermöglicht, ihre Urteils- und Handlungsfähigkeit zu entwickeln und ein zunehmend ausgeprägtes individuelles Selbst- und Weltverständnis zu gewinnen.

Pädagogischer Hintergrund

Die gesellschaftliche Wirklichkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Eltern haben meist weniger Zeit für ihre Kinder und Kinder unterliegen Einflüssen, auf die die Eltern kaum noch einwirken können. Es gibt heute keine Normalbiographien, Normalklassen und Normalschulen mehr. Die Schüler kommen mit ihren vielen Wirklichkeiten in die Schule. Die Zeit, die die Kinder in der Schule verbringen, muss dazu genutzt werden, die Fähigkeit zu vermitteln sich veränderten Bedingungen anzupassen, Neues leicht aufzunehmen und Neues natürlich hervorzubringen. Die Freude an Innovation muss geweckt werden.
Dass Unterricht nicht mehr nach „Schema F“ verlaufen darf, ist mittlerweile selbstverständlich. Denn wie sollen der eine Lehrer, das eine Thema, das eine Lernziel, die eine Methode, die eine Zeitvorgabe und das eine Ergebnis 25-30 verschiedene Schüler mit ihren unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Wirklichkeiten erreichen? Wie soll und kann das Interesse der Schüler für eine Sache nicht nur geweckt, sondern auch erhalten bleiben? Wir meinen: Durch Vielfalt und durch individuelles, soziales, fachliches und fachübergreifendes und offenes, entdeckendes und ganzheitliches Lernen. Und wir meinen, dass dieses am besten im Rahmen der Freiarbeit erreicht werden kann.
Wir am OHG glauben, mit unserer Arbeit – vor allem mit der Frei- und Projektarbeit – Wege gefunden zu haben, die bei der Wissensvermittlung durch selbstständiges Tun Grundlagen zu allen geforderten Schlüsselqualifikationen legen, die heute für eine sinnvolle Zukunft unserer Kinder für notwendig erachtet werden.

Elternverein (Beiträge und Satzung)

Die Eltern der Kinder in den Freiarbeitsklassen sind in einem Elternverein organisiert (offiziell: „Elternverein der Frei- und Projektarbeit nach Montessori am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken e. V.“). Mit ihrem Jahresbeitrag von 30,- € für das erste, 20,- € für das zweite Kind und 15,- € für das Kind in einer Modulklasse unterstützen sie unsere Arbeit und ermöglichen die Anschaffung von Verbrauchsmaterialien, Büchern und neuen Freiarbeitsmaterialien. Der Beitritt ist verpflichtend.

Zur begrifflichen Abgrenzung: Im Unterschied zum Elternverein unterstützt der Förderverein  (offiziell: „Verein zur Förderung des Otto-Hahn-Gymnasiums e. V.“, mehr…) die Schule auch in anderen Arbeitsbereichen.

Die Satzung des Freiarbeitsvereins finden Sie hier.

Ansprechpartnerinnen: Frau Kasperek (Koordinatorin der Erprobungsstufe), Frau Dr. Bank, Frau Werffeli, Frau Hemmers