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Konzepte
Streitschlichter
Gewalt in der Schule
Immer wieder gibt es erschreckende
Meldungen über Gewalt in der Schule.
Gewalt wird als legitimes Mittel der
Konfliktbewältigung angesehen und
angewandt und es ist zu beobachten, dass
die Gewalt zwischen (überwiegend) Schülern
immer härter ausgetragen wird. Obwohl
immer nur eine geringe Anzahl von Schülern
aktiv beteiligt ist, kann man feststellen,
dass die Hemmschwelle Gewalt anzuwenden
sinkt.

Unsere Streitschlichter
Da diese Erscheinungen ein Spiegelbild der
gesellschaftlichen Verhältnisse zu sein
scheinen, kann man davon ausgehen, dass
die Ursachen von Gewalt überwiegend
außerhalb der Schule zu finden sind.
Trotzdem bleibt die Schule der Ort, an dem
daran gearbeitet werden muss das
Sozialverhalten der Kinder positiv zu
beeinflussen. Dabei kann eine
Verhaltensänderung bestimmter Schülerinnen
und Schüler nur durch langfristige und
kontinuierliche Arbeit aller Beteiligten,
also Eltern, Lehrer, Schüler und Betreuer
erreicht werden.
Was ist Streitschlichtung?
Das Konzept der Streitschlichtung basiert
auf der Idee der Mediation und der
Stärkung der Verantwortung von Schülern.
Die Förderung der Kommunikations- und
Konfliktfähigkeit sowie das Erlernen von
konstruktiven Wegen der Konfliktaustragung
stehen im Mittelpunkt der
Streitschlichterausbildung.. Beginnend
mit der Jahrgangsstufe neun werden
Schülerinnen und Schüler in freiwilligen
Arbeitsgemeinschaften zu neutralen
Streitschlichtern ausgebildet.
Die Schülerinnen und Schüler werden in der
Ausbildungsphase darin geschult, Streit-
bzw. Schlichtungsgespräche zu führen und
Konfliktlösungen anzubieten bzw. mit den
Kontrahenten zu entwickeln. Die Ausbildung
dauert ca. ein halbes Jahr, danach beginnt
die praktische Umsetzung der Theorie.
Streitschlichtung kann immer nur
Angebotscharakter haben, d.h. sie kann nur
dann umgesetzt werden, wenn die sich
streitenden Schüler um Hilfe bitten.
Das Schlichtungsgespräch
Das Schlichtungsgespräch wird nach einem
Verfahren mit festen Regeln durchgeführt,
an die sich alle Beteiligten halten
müssen. Zur Konfliktbeilegung können über
klärende Gespräche hinaus
Schadenswiedergutmachungen in
Verschiedenen Formen und angemessene
Entschuldigungen gehören.
Ergebnisse der Schlichtung werden, wenn es
zu einer Einigung kommt, in einem Vertrag
fest gehalten. Bei einem späteren
Überprüfungstermin wird dann kontrolliert,
ob die Vereinbarungen eingehalten wurden.
Der Sinn dieses Verfahrens liegt darin,
die Lösung des Konfliktes mithilfe außen
Stehender an die Konfliktbetroffenen
zurückzugeben, d.h. nicht Eltern oder
Lehrer geben Konfliktlösungsstrategien
vor, sondern die Schüler selbst sind
gefordert durch Einsicht und
Verhaltensänderungen Konflikte zu
vermeiden oder zu bewältigen.
Was kann die Schule tun?
Streitschlichtung als soziales Engagement
von Schülern und Schülerinnen für
Mitschüler ist wichtig und notwendig.
Aber nur, wenn auch durch das
Schulprogramm Einheiten zum sozialen
Lernen in den Unterricht integriert
werden, kann das Streitschlichterkonzept
Erfolg haben. Durch Unterrichtseinheiten
zur „Ich-Stärkung“, zur Förderung des
Selbstbewusstseins, der Kommunikations-
und Konfliktfähigkeit, deren Grundlage
schon in den ersten Klassen gelegt werden
muss, werden den Schülerinnen und Schülern
alternative Wege zur Konfliktlösung
aufgezeigt.
Programme wie:
- Ich lerne mich selbst kennen
- Ich und du – Ich lerne die Anderen
kennen
- Wir gehören zusammen – Gemeinsam können
wir viel machen
- Wir regeln unser Zusammenleben – Regeln,
Rituale, Dienste für die Gemeinschaft
stärken die soziale Kompetenz durch
Interaktionen und Gruppenübungen.
Auch in den höheren Klassen wird das Thema
Gewalt (z.B. im Politikunterricht) immer
wieder bearbeitet; so lernen die
Schülerinnen und Schüler die
Streitschlichtung als eine Form
konstruktiver Konfliktaustragung kennen
und sind daher eher bereit, im Streitfall
die Schlichter aufzusuchen.
Ziele und Lerneffekte
Folgende Ziele sollen durch die Ausbildung
und Installation der Streitschlichter
erreicht werden:
- Lösung konkreter Alltagskonflikte durch
Schülerinnen und Schüler auf friedlichem
Wege
- Übernahme von Eigenverantwortung durch
Schülerinnen und Schüler
- Steigerung der Konfliktfähigkeit
- Milderung von Gewalt fördernden äußeren
Einflüssen (TV, Video u.a.)
- Verbesserung des Schulklimas
- Entlastung von Eltern und Lehrern
Die erwarteten und auch nachgewiesenen
Lerneffekte zeigen sich darin, dass
Schülerinnen und Schüler zunehmend
- Kompromissfähigkeit zeigen, Kompromisse
finden können
- eigene Gefühle besser ausdrücken können
- Probleme eingestehen und darüber
sprechen können
- Lösungen für Konflikte finden können,
ohne dass sich eine Partei als Gewinner,
die andere als Verlierer fühlen muss
- die eigene Position hinterfragen können
- durch Toleranz und Einfühlungsvermögen
auch die andere Position verstehen und
akzeptieren können
- Anderen zuhören und sich mitteilen
können.
Das Erlernen von konstruktiven Wegen der
Konfliktaustragung steht im Mittelpunkt
der Streitschlichterausbildung; eine
Fähigkeit, die gerade für den persönlichen
und beruflichen Weg der Schülerinnen und
Schüler auch in der (beruflichen) Zukunft
von großem Nutzen sein wird. Die
Forderung nach sozialen Kompetenzen steht
heute in der beruflichen Arbeitswelt
gleichwertig neben der Forderung von
fachlichen Kompetenzen.
Die Schülerinnen und Schüler, die an einer
Streitschlichterausbildung teilgenommen
und sie auch erfolgreich beendet haben,
erhalten zum Abschluss der Ausbildung ein
Zertifikat, das im Falle einer Bewerbung
die Erfolgschancen sicherlich erhöht.
Erfahrungen haben gezeigt, dass
Arbeitgeber die Teilnahme an
Streitschlichtungsprogrammen und –
schulungen bei Vorstellungsgesprächen
positiv bewerten.
Hier bekommt die Erweiterung der sozialen
Kompetenzen auch in Bezug auf die
Arbeitswelt eine besondere Bedeutung.
Methoden und Inhalte der Ausbildung
Die Ausbildung von Streitschlichtern
erfolgt durch ein möglichst handlungs- und
erlebnisorientiertes Methodenrepertoire.
Im Folgenden werden einige Themenkomplexe
aufgeführt, die in der
Streitschlichterausbildung erarbeitet
werden sollten. Dabei müssen die hier
aufgelisteten Themenkomplexe nicht
zwangsläufig chronologisch bearbeitet
werden, denn es ist wichtiger die
situative Einbringung von Themen durch die
Teilnehmer zu berücksichtigen und das
Gruppenzusammengehörigkeitsgefühl der
Gruppenmitglieder zu fördern.
1. Sich kennen lernen
Allgemeine Vorstellungsrunde, Vorstellung
des Arbeitsprogramms, otivationsklärung
bei Teilnehmern und Trainern,
verschiedene, z. T. spielerische Methoden
des sich Kennenlernens.
2. Gruppenfindung
Die ersten Treffen werden möglicherweise
mit ritualhaftem Charakter, z.B. mit
Blitzlicht“ zur aktuellen Befindlichkeit,
mit Entspannungsübungen, einem bestimmten
„Warm-up“ oder einem ausgesuchten
Musikstück begonnen. Partner- und
Kontaktspiele werden behutsam mit der
Gruppe ausprobiert. Hierzu gehören u. a.
auch Vertrauensspiele wie z. B.
Fallübungen und Kooperationsspiele. Auch
die Nähe-Distanzthematik wird über Übungen
thematisiert. In allen diesen
verschiedenen Phasen wird der
Rollenspielarbeit eine besondere Bedeutung
beigemessen.
3. Konflikt und Gewalt
Neben dem Kennenlernen von
Konflikttheorien sind Gespräche und
Diskussionen über Themen wie: „Was ist ein
Konflikt, wie kann er entstehen“? oder „
Welche Gefühle, Interessen und
Wertschätzungen spielen bei Konflikten
eine Rolle?“, die Grundvoraussetzung für
die weitere Vorgehensweise, bei der z. B.
Konfliktanalysen anhand von Fallbeispielen
erarbeitet werden.
Von besonderer Bedeutung für die Schule
sind dabei folgende Aspekte:
- Eigenes Konfliktverhalten erfahren und
reflektieren
- Konfliktverhalten von Mitschülern
beobachten
- Welche Konflikte gibt es in meiner
Schule?
- Was ist ein Kompromiss – was ein
falscher Kompromiss?
4. Wahrnehmung und Gefühle
Für die zukünftigen Streitschlichter ist
es notwendig, verschiedene Möglichkeiten
der Gefühlsartikulation zu erfahren eigene
Gefühle beschreiben zu können, aber auch
Gefühle pantomimisch darstellen zu können.
Das bedeutet, dass ein Streitschlichter
besonders in der Wahrnehmung eigener
Gefühle geschult sein muss um in der Lage
zu sein, die Gefühle anderer verstehen zu
lernen und akzeptieren zu können.
5. Kommunikation
In der Lerneinheit „Kommunikation“ wird
sowohl die verbale Kommunikation als auch
die nonverbale Kommunikation durch Spiele,
Gestik, Mimik und Körperhaltung
beobachtet, interpretiert und bei den
Teilnehmern geschult.
6. Gesprächsführungstechniken
In dieser Phase der Ausbildung werden
verschiedene Übungen zur Gesprächsführung
praktisch trainiert. Dazu gehört das
„aktive Zuhören“ ebenso wie ein
kontrollierter Dialog und das Erkennen von
Gesprächshemmnissen.
Streitschlichtung am OHG
Seit dem Schuljahr 2002/03 gibt es eine
aktive Streitschlichtergruppe am OHG, die
gegenwärtig von Frau Dachowski und Herrn Zampich betreut
und begleitet wird.
Die Gruppe unserer ausgebildeten
Streitschlichter besteht zurzeit aus etwa 15
Schülerinnen und Schülern verschiedener
Klassenstufen, die an einer halbjährige
Ausbildung teilgenommen haben. Diese
Jungen und Mädchen stehen in jeder großen
Pause für Gespräche mit anderen Schülern
bereit um sie in Konfliktfällen
unterstützen und beraten zu können. In
jedem Jahr werden neue Streitschlichter
ausgebildet um auch Nachwuchs für unsere
Schule zu haben, wenn der ein oder andere
Schüler z.B. wegen des Abiturs nicht mehr
verfügbar ist.
Die Streitschlichter sind bis zum
Abschluss der Umbauarbeiten jeweils
dienstags und donnerstags in der 1.
großen Pause im Kunstraum erreichbar.
(Stand: 2009)
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