Besuch der „Alten Synagoge“ in Essen

Herr Loy und der Grundkurs Kath. Religion in der „Alten Synagoge“

Doris war 11 Jahre alt, als sie mit ihrer Freundin heimlich durch die noch schwelenden Trümmer der Essener Synagoge in ihrer Nachbarschaft kletterte – zwei, drei Tage nach der Pogromnacht am 9. November 1938. In dieser Nacht zerstörten die Nationalsozialisten überall in Deutschland Synagogen und andere jüdische Einrichtungen. Die beiden Mädchen lasen heimlich ein paar Scherben der vormals prächtigen, jetzt zerborstenen Fenster auf und nahmen sie mit. Hier, im Zentrum von Essen, war der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde. Hier hatte man sich getroffen, gespielt, jüdische Feste gefeiert, Gottesdienste besucht, Hebräisch gelernt. Jetzt war alles anders. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gelang Doris die Flucht nach Australien, die Scherben im Koffer.

70 Jahre später kehrte Doris Moses nach Essen zurück – für einen einzigen Tag. Sie wollte die Scherben unbedingt an den richtigen Platz zurückbringen – zur Erinnerung und Mahnung für die Besucher der „Alten Synagoge“. Das Haus am Edmund-Körner-Platz 1 ist inzwischen zu einem Museum umgebaut und präsentiert in einer umfangreichen Dauerausstellung sowohl die Alltagskultur und die Religion der Juden als auch ihre bedrückende Geschichte in Essen.

Die Empore ermöglicht einen beeindruckenden Blick auf das Bauwerk.

Unser Grundkurs Kath. Religion (Q2) hat die Gedenkstätte mit Herrn Loy am 19. Dezember besucht. Die nachfolgend wiedergegebenen Eindrücke unserer Schülerinnen und Schüler machen deutlich, dass das Haus ein einzigartiges Kulturdenkmal darstellt.

„Ich war zum ersten Mal in einer Synagoge, es gab gute Erläuterungen und Informationen.“
„Es war sehr interessant, die Dinge aus dem Unterricht hier in der Synagoge zu sehen, informativ und ansprechend gestaltet: ein breites Wissen über die jüdische Religion.“
„Das Judentum wird gut veranschaulicht, auch vielen mit Beispielen aus der Musik und aus der Alltagskultur wie Essen, Kalender usw.“
„Die detail- und bildreiche Ausstellung bietet eine gute Information über das Judentum. Ich habe nicht gewusst, wie viele in der Öffentlichkeit bekannte Personen Juden sind bzw. waren.“
„Mir hat am meisten gefallen, dass hier der jüdische Lebensstil so vielfältig ausgestellt ist. Die Alte Synagoge ist ein interessanter Ort zur Information und zum Nachdenken.“
„Ich empfand die Exkursion als einen interessanten Einblick in die jüdische Geschichte und Kultur, wie sich es sonst nicht bietet. Besonders die Zeitleiste über die jüdische Geschichte und ihre Überschneidung mit der christlichen war aufschlussreich.“
„Es war interessant, teilweise sogar lustig, und die Kulisse ist beeindruckend.“
„Mir gefiel zunächst das Bauwerk an sich und seine schöne Architektur – besonders, wenn man es von der Empore aus betrachtet. Ich habe auch mehr über Aspekte und Formalitäten der jüdischen Religion gelernt. Sehr wichtig fand ich die Bücher, in denen mit kleinen Profilen an die Opfer der NS-Diktatur erinnert wird. Anstatt einer Zahl (der Toten, Deportierten usw.) erkenne ich jetzt Menschen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte.“

Ein Besuch lohnt sich. Weitere Informationen, auch zu den einzelnen Ausstellungsbereichen, sind unter folgendem Link zu finden:

http://www.alte-synagoge.essen.de/

R. Loy