Zu Beginn des Schuljahres 2026/27 hatten 25 Schüler/innen aus unserer Stufe, der jetzigen Q1, die Möglichkeit, mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung an einer Gedenkstättenfahrt nach München und Dachau teilzunehmen.
Der erste Tag nach der Anreise startete mit einem Besuch des jüdischen Museums in München, Nach dem Besuch der Ausstellungen dort, wurden uns in einem Workshop historische Dilemmata einzelner jüdischer Personen und Familien dargelegt. So diskutierten wir z.B. ob ein junger jüdischer Mann trotz möglicher Anfeindungen und gegen den Willen seiner Eltern die Universität besuchen sollte. Im Anschluss erfuhren wir, welche Entscheidung diese Menschen damals getroffen haben, was uns vor Augen führte, wie schwer es damals gewesen sein muss, abzuwägen, was das geringere Übel war.
Am Nachmittag besuchten wir das NS-Dokumentationszentrum München, welches wir mit einem digitalen Audioguide besichtigten. Detailliert wurde dort gezeigt, wie es dazu kommen konnte, dass die NSDAP 1933 an die Macht kam. Insbesondere die Propaganda-Strategien wurden in der Führung erklärt und anhand vieler Bilder gezeigt.

Am zweiten Tag besuchten wir die DenkStätte Weiße Rose in der Ludwig-Maximilians-Universität. Wir durften den Lichthof besichtigen, in den die Geschwister Scholl am 18. Februar 1943 die Flugblätter der Weißen Rose geworfen hatten. An diesem Ort zu stehen und auf den Hof hinunterzuschauen war ein besonderes Erlebnis, wodurch einem der Mut der Geschwister, der diese Handlungen möglich gemacht hatte, bewusst wurde. In einer Ausstellung besichtigten wir die Texte der Flugblätter und erfuhren außerdem mehr über die anderen Mitglieder der Weißen Rose, wie zum Beispiel Alexander Schmorell, Christoph Probst oder Kurt Huber.

Am letzten Tag vor der Abreise waren wir vor Ort im ehemaligen Konzentrationslager Dachau. Es war der ergreifendste und erschreckendste Tag für viele von uns. Die bedrückende Stimmung hinter dem Tor mit der bekannten Aufschrift „Arbeit macht frei“ war für alle spürbar, auch durch die Wachtürme und die hohen Stacheldrahtzäune. Wir besuchten den Appellplatz und das Gefängnis, in dem zunächst hauptsächlich politische Gegner inhaftiert waren und unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten. Bei der Führung wurden uns auch Schicksale unterschiedlicher Häftlinge nähergebracht, beispielsweise erfuhren wir die Geschichte von Georg Elser, der ein nur knapp gescheitertes Attentat auf Hitler plante und danach im KZ Dachau gefangen gehalten und kurz vor dessen Befreiung erschossen wurde.
Vor dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurde uns das internationale Mahnmal und ein weiteres Mahnmal in Form einer Kette mit verschiedenfarbigen Winkeln erklärt. Mit diesen Winkeln kennzeichnete die SS die Häftlinge. Der schwarze Winkel für die sogenannten „Asozialen“, der grüne Winkel für die sogenannten „Berufsverbrecher“ und der rosa Winkel für Homosexuelle sind jedoch nicht darin enthalten. Der erschreckende Grund dafür war, dass diese Opfergruppen zum Entstehungszeitpunkt des Mahnmals nicht als NS-Verfolgte anerkannt waren. Ihr Schicksal erfuhr erst seit den 1980er Jahren allmählich öffentliche Aufmerksamkeit.
Beim Besuch in der KZ-Gedenkstätte wurden wir permanent angeleitet und die verschiedenen Orte wurden erklärt. Dies half uns, das Gesehene besser zu verstehen und zu verarbeiten.
Das Betreten der ehemaligen Gaskammern war freiwillig, auf der gesamten Fahrt bestand außerdem die Möglichkeit, sich bei Überforderung zu distanzieren.
Zuletzt besuchten wir außerdem den angrenzenden Krematoriumsbereich, der ebenfalls ein unglaublich erschreckendes Bild bot.

Wir besuchten außerdem am Nachmittag den Gedenkort Hebertshausen, den früheren SS-Schießplatz. Dies war ebenfalls ein sehr erschreckendes und eindrückliches Erlebnis. Angeleitet, wurden uns dann noch Aussagen von damaligen Anwohnern aus der Nähe des Konzentrationslagers und des Schießplatzes vorgelesen. Bewegt hat uns dabei besonders, wie viele Menschen wussten, was an diesen Orten vor sich ging, da sie es im Falle des Schießplatzes sogar teilweise gehört haben, sie sich jedoch aus Angst oder Verdrängung nicht trauten, sich dazu zu äußern.
Fazit:
Die Gedenkstättenfahrt nach Dachau war ein bewegendes, ergreifendes und prägendes Erlebnis. Die Orte des Geschehens zu besichtigen, half, gewisse Zusammenhänge besser zu verstehen, zeigte aber auch das Ausmaß der grausamen Verbrechen in einer noch sehr nachwirkenden Weise. Die Betreuung, Verarbeitung und Reflexion durch die begleitenden Lehrkräfte und Personen vor Ort waren sehr freundlich und hilfreich, so dass die schwere Thematik leichter verarbeitet und begriffen werden konnte.
Insgesamt ist es für jeden empfehlenswert, die Gelegenheit zu einem solchen Besuch von Gedenkstätten wahrzunehmen, da man oft erst dadurch eine echte Vorstellung Orte, Geschichten und Menschen entwickeln kann.
Durch die intensive, sehr lehrreiche Zeit an den verschiedenen wichtigen Orten war es kurz gesagt eine absolut lohnenswerte Exkursion mit sehr vielen wertvollen Eindrücken.
Leila Gärtner, Johanna Pauli & Ole Heuser, Stufe Q1